Die Geschichte von St. Andreas

Durch eine Stiftung zur Pfarrei geworden

St. Andreas

Die Gemeinde Hasede wird in einer bischöflichen Urkunde von 1146 genannt; Bischof Bernhard I. (1130-1153) übertrug dem Godehardikloster in Hildesheim darin eine Hufe Land im Ort. Im Gegensatz zu anderen Ortschaften in der Gemeinde Giesen gehörte Hasede nicht in das Amt Steuerwald, sondern die Siedlung zählte zu den privilegierten Ortschaften der Dompropstei. Bischof Adelog (1171-1190) befreite im Jahre 1187 deshalb den Meierhof in Hasede von der Verwaltung durch einen Vogt. Dem Dompropst stand die Grund- und Gerichtsbarkeit zu. Die Ortslage an der Innerste hatte die Errichtung von Wassermühlen begünstigt. Im Jahre 1361 wird die “Große Mühle” des Dompropstes und im Jahre 1460 die “Klickmühle” zwischen Hasede und Förste erwähnt. Die Errichtung von Mühlen im Mittelalter war ein Vorrecht des Grundherren, der seine Bauern zur Benutzung seiner Mühle zwingen konnte. Der Mühle des Dompropstes in Hasede mußten die Bauern aus den Orten Hasede, Asel, Adlum, Borsum, Machtsum, Hönnersum und Hüddessum ihr Getreide abliefern.

Die kleine Andreaskapelle gehörte bis zur Erhebung Hasedes zur Pfarrei 1892 zum Archidiakonat Förste - zur Taufkirche St. Pankratius. Der Patron des Gotteshauses war der Förster und später der Hildesheimer Archidiakon, da der Bann Förste im Mittelalter vorübergehend mit dem Hildesheimer Archidiakonat St. Andreas vereint war. Eine noch engere Verbindung zum Hildesheimer Bann kann durch das identische Patrozinium St. Andreas der Kapelle in Hasede und der Hauptkirche in Hildesheim nicht ausgeschlossen werden. Nach einer Überlieferung soll im Jahre 1315 Bischof Heinrich II. (1310-1318) einen Gottesdienst in der St. Andreaskapelle in Hasede gefeiert haben. Das Gotteshaus wird jedoch durch eine Glockeninschrift von 1454 erst nachgewiesen. Da Hasede bis 1892 Filialgemeinde von Groß Förste war, mußten die Gläubigen an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst in St. Pankratius besuchen. Der Sakramentenempfang, wie die Taufe oder die Eheschließung, war während des Mittelalters nur in der Haupt- und Taufkirche St. Pankratius in Groß Förste möglich.
Schon im 14. Jahrhundert hatte Hasede unter der Bischofsfehde gelitten. In der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) wurde die Siedlung 1522 von Braunschweiger Söldnertruppen niedergebrannt. Dabei blieb wahrscheinlich das Gotteshaus nicht verschont.

Der Versuch zur Einführung der Reformation in die Pfarreien des Amtes Steuerwald durch Adolf von Holstein seit 1557 führte auch in der dompröpstlichen Siedlung Hasede durch ihre kirchliche Bindung an die Hauptkirche St. Pankratius in Groß Förste zur vorübergehenden Seelsorge eines evangelischen Prädikanten.
Während der Regierungszeit des Hildesheimer Fürstbischofes Clemens August (1724-1761) wurde 1732 mit dem Neubau der “Filialkirche” St. Andreas in Hasede begonnen; dies wurde durch den 7jährigen Krieg aufgehalten, so daß er erst 1749 vollendet werden konnte.
Die Bevölkerung wuchs von 1785-1910 von 312 auf 638 Einwohner an. Ursachen hierfür waren die Verkoppelung der Feldmark 1854-1856, die Mühlen im Ort und die im Jahr 1900 erbaute Zuckerfabrik. Der Ausbau der Bundesstraße 6 und die Einrichtung der Haltestelle Hasede an der Straßenbahnlinie Hannover-Hildesheim 1899, waren mit Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entfaltung der Gemeinde. Durch die steigenden Einwohnerzahlen war 1857 der Neubau eines Schulhauses und 1868 die Vergrößerung der St. Andreaskirche nötig. Im Jahre des Kirchenanbaues wurde zur Betreuung der Gemeinde ein Seelsorger nach Hasede entsandt. Die Erhebung von Filialgemeinden zu Pfarreien war während des Kulturkampfes grundsätzlich erst nach deren Ausstattung mit der erforderlichen Dotation möglich. Diese staatlichen Bedingungen wurden für St. Andreas durch eine Stiftung der Witwe Anna Matthaei erfüllt, so daß mit der bischöflichen Urkunde vom 28. Oktober 1892 die Filialgemeinde St. Andreas zur Pfarrei erhoben werden konnte. Die Gemeinde St. Andreas gehörte während des Mittelalters in das Archidiakonat, später in den Zirkel und letztlich in das Dekanat Förste. Ausgehend von 590 Katholiken gegenüber 46 ev. Christen nach der Jahrhundertwende blieb die kath. Konfession auch weiterhin prägend für das Leben im Ort. Die Anzahl der ev. Christen stieg vermutlich erst beim Bau des Stichkanales durch die Gemarkung Hasede in den Jahren 1922-1924; 1928 wurde mit dem Bau des ev. Gotteshauses St. Paulus begonnen.

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Bevölkerungszahl durch Heimatvertriebene und Evakuierte beträchtlich. 1956 waren 108 Haushaltungen ohne geeigneten Wohnraum. Daher entschloß sich die politische Gemeinde 1958 zu einem großangelegten Bebauungsplan. Die nach 1945 geschlossene Zuckerfabrik nutzte eine Keramik- und Elektrofirma, die der Haseder Bevölkerung Arbeitsplätze anboten. Darüber hinaus fanden zahlreiche Heimatvertriebene in der Landwirtschaft Beschäftigung. Die zentrale Ortslage an der Bundesstraße 6 begünstigte besonders nach ihrem Ausbau den Pendlerverkehr nach Hildesheim, Sarstedt und Hannover. Auch in konfessioneller Hinsicht waren nach 1945 die Mitgliederzahlen der kath. Pfarrei St. Andreas gestiegen. Erst im Jahre 1983 sank die Anzahl der Gemeindemitglieder unter 800. Die St. Andreasgemeinde betreut gegenwärtig die Ortschaft Hasede in der politischen Gemeinde Giesen. Damit sind Orts- und Gemeindegrenzen identisch.