Die Geschichte von St. Johannes

Ein Gotteshaus bereits im 13. Jahrhundert

Die kath. Kirchengemeinde St. Johannes ist seit dem Mittelalter kirchlich als Filialgemeinde mit der ehemaligen Archidiakonatskirche in Groß Förste verbunden. Die Kapellengemeinde gehörte in das Archidiakonat “Vorsethe” zur Haupt- und Taufkirche St. Pankratius. Eine Erwähnung des Ortes - “Vorste minor” - findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1270, in der Ritter Dietmar von Tossum (Kämmerer des Stiftes Hildesheim) dem Kreuzstift zur Gründung einer Vikarie am Altare des Hl. Johannes d. T. zwei Hufen Land in Klein Förste übertrug. Ein Gotteshaus mit dem auch heute noch gültigen Patrozinium muß demnach bereits im 13. Jahrhundert dort vorhanden gewesen sein. Der Patron der Kapelle war der jeweilige Archidiakon des Bannes Förste und später des Bannes Hildesheim - St. Andreas. Da die kleine Kapellengemeinde über keinen Geistlichen verfügte, mußten die Gläubigen zu Hauptgottesdiensten und Sakramentenempfang die Archidiakonatskirche St. Pankratius besuchen. 

Der Stifter der Johanneskapelle und ihre Bauzeit lassen sich nicht durch die Erwähnung eines Pfarrgeistlichen bestimmen. Die Bezeichnung ihres Patroziniums im 13. Jahrhundert ist jedoch möglicherweise ein Hinweis auf ihre Entstehungszeit. Ihr Johannes-Patrozinium, dessen Verehrung bis in die Frühzeit des Bistums Hildesheim zurückreicht, sind Zeugnisse dafür. Nicht nur die Erwähnung des Michaelisklosters als großer Lehnsträger in Klein Förste, sondern auch das Altarpatrozinium seiner Klosterkirche St. Johannes sind Anhaltspunkte, die auf den Bau der Kapelle durch die Benediktiner hinweisen könnten. Auch ist eine Form der Stiftung des Gotteshauses durch die alte Hildesheimer Familie von Tossum möglich, da sie ebenfalls umfangreichen Besitz in Klein Förste erworben hatte. Eine Stiftung der Familie von Tossum würde den Bau im 13. Jahrhundert festlegen, obwohl dieser durch das Patrozinium früher datiert werden kann. Die in der Urkunde erwähnte Einrichtung einer Vikarie in Klein Förste 1270 ist vermutlich der erste Versuch zur Gründung einer Kaplanei im Ort. 

Das mittelalterliche Gotteshaus St. Johannes wurde wahrscheinlich nach seiner Zerstörung während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) schon im 16. Jahrhundert wieder aufgebaut. Mit der Annahme der Reformation durch die Pfarrgemeinde St. Pankratius trat auch die kleine Filialgemeinde zur “Wittenberger Lehre” über. Am 3. November 1581 erklärten die Vertreter der Filialgemeinde der bischöflichen Regierung, daß sie nicht am Luthertum festhielten, wenn sie anschließend nach ihrem Übertritt zur kath. Kirche nicht von den Gemeindemitgliedern aus Groß Förste bedrängt würden. Nach langen Auseinandersetzungen gehörte Klein Förste 1657 laut Visitationsbericht wieder zur kath. Pfarrgemeinde St. Pankratius. Zur Betreuung der St. Johannesgemeinde wurde ab 1773 der Kaplan aus Groß Förste auch mit der Seelsorge in Klein Förste beauftragt.

Datum: 15.07.2013

Das Dorfleben entwickelte sich im 19. Jahrhundert politisch und wirtschaftlich wie in anderen Pfarreien im Bistum. Die erhöhte landwirtschaftliche Produktion, das Bevölkerungswachstum, der Wohnungsbau und letztlich das damit einhergehende sozialpolitische Engagement der Gemeindemitglieder sind auch in Klein Förste Ergebnisse der Industrialisierung im Landwirtschaftsbereich. Neben der Holzwirtschaft im Giesener Forst wurden die Ackerflächen in Klein Förste mit Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben bestellt. Einen Absatzmarkt für die Produkte konnte die Gemeinde schwer erschließen, da sie schlechte Verkehrsverbindungen hatte. Zu den Erwerbsmöglichkeiten in der Landwirtschaft kamen Anfang des 20. Jahrhunderts die Arbeitsplätze in der Kaliindustrie und die Beschäftigungsmöglichkeiten am Stichkanalbau. So wuchs von 1910 bis 1925 die Anzahl der Gemeindemitglieder von 325 auf 470.

Durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen stieg die Einwohnerzahl nach 1950 in Klein Förste erheblich an. Die vorwiegend kath. Neubürger fanden beim Autobahnbau Beschäftigung. Nach Abschluß der Bauarbeiten Ende der 50er Jahre setzte aufgrund der fehlenden Arbeitsmöglichkeiten eine “Ortsflucht” aus Klein Förste ein. Für die kleine kath. Gemeinde bot die im Jahre 1908 renovierte Kapelle jetzt wieder genügend Platz. Seit dem Mittelalter wird St. Johannes von der Pfarrei St. Pankratius in Groß Förste betreut.

Im Gegensatz zur engen kirchlichen Verbindung der Kapellengemeinde zur Pfarrkirche in Groß Förste (Gemeinde Giesen) ist Klein Förste aufgrund der räumlichen Nähe seit 1974 der politischen Gemeinde Harsum angehörig.