Die Geschichte von St. Maria

Von der Burg steht nur noch die Kirche

Urkundlich wird Ahrbergen in der Regierungszeit Bischof Hezilos (1054-1079) erwähnt. Die erste exakt datierbare Nachricht über die sächsische Siedlung Ahrbergen stammt jedoch aus einer Urkunde Bischof Bernhards I. (1130-1153), der am 13. Oktober 1147 dem Sülte-Stift in Hildesheim Besitz und Privilegien im Ort bestätigte. Dieser Belehnungsurkunde folgen Schriftstücke der Bischöfe, die den Tausch-, Kauf- und Verkauf von Grundbesitz in Ahrbergen u. a. an das Kloster Marienrode 1274 und an das Michaeliskloster 1321 dokumentieren. Den Nutzen aus diesem Tausch- und Kaufhandel im späten Mittelalter zog das Sülte-Stift (Bartholomäusstift), das sich 1247 seinen Besitz in Ahrbergen durch den Papst bestätigen ließ. In der Belehnungsurkunde von 1147 wird ein “Cuno de Arbergum” erwähnt, der später bis 1190 in bischöflichen Urkunden als Zeuge genannt wird. Der Zeuge war Mitglied einer alten sächsischen Adelsfamilie, - einer Seitenlinie der Hildesheimer “Vicedomini”, die sich nach ihrem Besitz von Ahrbergen, später auch von Deppenau und von Hotteln nannten.

Datum: 15.07.2013

Im Zusammenhang mit der Familie von Ahrbergen dürfte auch die ca. 200 Jahre lang dort vorhandene Burg mit der alten Pfarrkirche stehen, die sich auf einer kleinen Anhöhe nördlich vom heutigen Dorf befand. Die Bewohner in der Innersteniederung suchten bei Hochwasser und kriegerischen Einfällen in der Burg und später nach deren Verfall in der Pfarrkirche Schutz. Die auf dem Burgplatz liegende Pfarrkirche außerhalb des Dorfes gehörte kirchlich zur Haupt- und Taufkirche St. Lamberti in der Hildesheimer Neustadt. Das “karolingische Patrozinium” St. Petrus und Paulus sowie die urkundliche Erwähnung des Pfarrers 1208 und die gotische Architektur ihres Turmes weisen auf ihre Entstehung im 12. Jahrhundert hin.

Die Patronatsrechte über St. Petrus und Paulus von St. Lamberti der Hildesheimer Neustadt standen dem Bischof bis 1695 zu, erst dann übertrug er sie mit Zustimmung des Archidiakones dem Sülte-Kloster.

Datum: 15.07.2013

Anders als die Nachbargemeinde Sarstedt blieb Ahrbergen nach der Stiftsfehde (1519-1523) im Amt Steuerwald unter der Regierung des Bischofs. Nach der Einführung der Reformation in Sarstedt durch Elisabeth von Calenberg ab 1542 wurde der Bruchgraben zwischen den Ortschaften Sarstedt und Ahrbergen praktisch zur Konfessionsgrenze. Ihren Einfluß auf die kath. Kirchengemeinde konnte die ev. Stadt besonders in der Regierungszeit des mit der Reformation sympathisierenden Bischofs Friedrich von Holstein (1551-1556) geltend machen. Denn bereits 1551 war ein ev. Prädikant in Ahrbergen einge-setzt worden. Ihm folgten bis 1582 fünf luth. Pastoren. Im Jahr 1583 kam Adam Christoph Bock als Pfarrer nach Ahrbergen. Er betonte im Visitationsprotokoll von 1609, daß er trotz Widerstandes Ahrbergen wieder rekatholisiert habe. Der Pfarrer war nach seinen Aussagen Sohn des Superintendenten und Sekretärs Martin Luthers.

Datum: 15.07.2013

Seit 1716 war die Pfarrei dem Förster Zirkel bis 1838 angehörig, danach dem Dekanat Förste. Während der Regierungszeit von Fürstbischof Clemens August (1724-1761) wurde die baufällige Pfarrkirche St. Petrus und Paulus 1745 abgerissen. Der Kirchenbau nach 1745, unter der Verwendung des Turmes aus dem 12. und des gotischen Chors aus dem 14. Jahrhundert, wurde durch General Franz Ignaz von und zu Weichs gefördert. Da die neuerbaute Pfarrkirche außerhalb lag und sie im Winter nicht beheizbar war, wurde 1872 im Ortskern die Marienkapelle erbaut. Die “Maigesetze” des Kulturkampfes führten auch in Ahrbergen zur Vakanz der Pfarrstelle. Die seelsorgliche Betreuung wurde von 1875-1884 vom kath. Pfarrer aus Ruthe wahrgenommen. Erst nach der Lockerung der gesetzlichen Bestimmungen durch den preußischen Staat konnte Bischof Wilhelm Sommerwerck (1871-1905) 1884 einen Hilfsgeistlichen nach Ahrbergen senden.

Die Umgebung des Ortes wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Kalibergbau geprägt. Im Jahre 1913 konnte der Schacht “Fürstenhall” in Betrieb genommen werden. Die Bevölkerung des Stiftsdorfes verdiente ihren Lebensunterhalt neben dem Anbau von Getreide und Zuckerrüben mit der Kalisalzgewinnung. Der Pfarrer und Dechant Gerhard Schrader unterrichtete in der “Winterschule” (Zuchtversuche und Forschung in Getreide und Zuckerrübenanbau) nicht nur den landwirtschaftlichen Nachwuchs, sondern er verhalf Anfang der 30er Jahre den Eigentümern der umliegenden Ländereien zu Kalischürfrechten. Dieser wirtschaftliche Strukturwandel und das damit verbundene Bevölkerungswachstum (1905 750 Einwohner, 1939 1115 Einwohner) forderte von der kath. Kirchengemeinde ein soziales Engagement. So wurde Pfarrer Vollmer Gründer eines Altenheims mit Sozialstation und späteren Kindergartens, Maria-Königin-Heim, der bis 1979 von Schwestern des Vinzentinerinnenordens betreut wurde. 45 polnische Landarbeiter gehörten zur Kirchengemeinde. Später, ab 1936, als der Reichsarbeitsdienst in Ahrbergen tätig war und die Munitionsfabrik (MUNA) ihre Arbeit aufnahm, wurden zahlreiche “Fremdarbeiter” im Werk eingesetzt, die jedoch als Gefangene von den staatlichen Be-hörden an ihrer Religionsausübung gehindert worden sind.

Datum: 15.07.2013

Durch den Flüchtlingsstrom nach 1945 änderten sich auch hier die konfessionellen Verhältnisse, die Katholikenzahlen stiegen. Im Jahre 1950 wurden 1115 Katholiken seelsorglich betreut. Der Kaliberg-bau und die Gründung einer Bromfabrik 1960 waren die Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde. Das Instandsetzungsbataillon 1 der Bundeswehr wurde 1959 nach Ahrbergen verlegt. Die Marienkapelle wurde bis 1968 für die Gottesdienste in Ahrbergen genutzt. Da das Gotteshaus baufällig war, seine Größe nicht mehr dem Umfang der Gemeinde entsprach und die St. Peter und Paul-Kirche nicht beheizt werden konnte und außerhalb des Ortes lag, wurde 1968 die neue Pfarrkirche “St. Maria, Mutter der Kirche” nach den Plänen des Essener Architekten Kleffner erbaut. Neben der neuen Pfarrkirche blieb die Peter- und Paul-Kirche auf dem ehemaligen Burgplatz erhalten und wird seitdem wegen des umliegenden Friedhofs als Friedhofskirche genutzt.

Seit der Kreis- und Gebietsreform 1974 gehört Ahrbergen zur Einheitsgemeinde Giesen und seit 1978 zum Dekanat Förste-Sarstedt. Trotz der Schließung der Kalischächte 1987 sah der Flächennutzungsplan der politischen Gemeinde eine Förderung des Wohnungsbaues vor. Durch die verkehrsgünstige Lage des Ortes zu Sarstedt und Hannover bedingt, war nach Schließung der Kaliindustrie die Einwohnerzahl nur minimal gesunken. Für Arbeitnehmer aus der Sarstedter und Hannoveraner Industrie gewinnt Ahrbergen, wie viele andere Ortschaften im Landkreis Hildesheim, an Bedeutung.