Die Geschichte von St. Martin

Im 13. Jahrhundert bereits bekannt

Die St. Martinskapelle in Klein Giesen, de­ren Grundmauern auf ihre Entstehung im 13. Jahrhundert hinweisen, war kirchlich mit der ursprünglichen Pfarr- bzw. Archi­diako­natskirche St. Pankratius in Groß Förste verbunden. Der Patron der Martinskapelle war der Groß Förster und zwi­schenzeitlich der Hildesheimer Archidia­kon von St. And­reas. Zwar wurde Klein Giesen vom Pfarrer aus Groß Förste seelsorglich betreut, zu den Gottesdiens­ten und dem Sakramente­nempfang mussten jedoch die Gläubigen die Pfarr- bzw. Archidiakonatskirche in Groß Förste aufsuchen. Über den beschwerlichen und vor allem im Winter gefährlichen Weg über die Innerste zum Gotteshaus in Groß Förste beklagte sich die Gemeinde bereits im 17. Jahrhundert. Die bischöfliche Be­hörde und der Archidiakon sprachen sich deshalb 1660 für den Kirchenbesuch in Groß Giesen aus. Entgegen der Erlaubnis der bischöflichen Behörde gab die Ge­meinde auf den Rat eines Mitbauern hin ihr Anliegen auf. Dass der Hinweis auf den Kirchweg als Vorwand zum Besuch eines ev. Gottesdienstes benutzt wurde, erscheint zweifelhaft, da in Groß Förste und Groß Giesen Ende des 16. Jahrhun­derts der Gottesdienst wieder nach dem kath. Kultus gefeiert wurde. Die Reforma­tion, die Säkularisation und der Kultur­kampf in Groß Förste wirkten sich ent­sprechend der kirchlichen Bindung auf St. Martin aus. Im Gegensatz zur kirchlichen Organisation wuchsen Klein und Groß Giesen durch die Wirtschafts­struktur des Kalibergbaues zu einer Ge­meinde zu­sammen. Allein die geo­graphi­sche Nähe der beiden Ortschaften zueinan­der be­günstigte ihren Zusam­menschluß.

Die Entscheidung der bischöfli­chen Behörde von 1940, Klein Giesen nach Groß Gie­sen ein­zupfarren und 1941 die Ka­pellen­gemeinde zur Pfarrvikarie und Kir­chen­gemeinde zu erheben, orientierte sich demnach an der wirtschaftspolitischen Ent­wicklung beider Gemeinden. Auch auf dem Hintergrund der steigenden Katholi­kenzah­len (Kaliindustrie) entschloss sich das Bischöfliche Generalvi­kariat zur Er­hebung von St. Martin zur Pfarr­vikarie. Die Vikarie wird nun von Vikar Rudolph Tönnies geleitet, der im Pfarrhaus von St. Vitus, Groß Giesen, wohnte.

St. Martin - Giesen

Friedhofskapelle

Im Jahre 1943 kam Emil Feih in die Pfarrvikarie und war bis 1950 für die Seelsorge zuständig. Von 1950 bis 1954 wirkte Rudolf Henning in der Gemeinde. In diese Jahre fällt auch die Einrichtung eines neuen Friedhofs mit Friedhofskapelle (eine der ersten im Landkreis Hildesheim) am nördlichen Rand der Ortschaft, der heutigen Nordstraße. Franz Kleinert sorgte in der Zeit von 1954 bis 1961 für die Pfarrvikarie. Da kein direkter Nachfolger endsand wurde, wurde die Verwaltung durch Dechant Paul Reifenrath aus St. Vitus übernommen. Nach ca. einem halben Jahr der Vakanz folgte Johannes C. van der Brule.

Pater Franziscus Petrus Josef Marie  Kop­pendreijer löste 1967 van der Brule ab. Da die kleine Martinskapelle der Gemeinde­größe nicht mehr ent­sprach, wurde sie in den Jahren 1971-1972 unter Einbezie­hung der alten Bau­substanz, insbeson­dere des Turmes, be­deutend erweitert. Am 03.06.1973 wurde die Konsekration von Bischof Heinrich Maria Janssen vor­genom­men. Pater Franziscus Koppendreijer ging 1984 in den Ruhestand in seine holländi­sche Heimat. Pfarrer Erwin Rehder von der St. Vitus-Gemeinde wurde nun die Aufgabe übertragen, neben seiner Gemeinde auch für St. Martin zuständig zu sein. Im Jahr 1985 übernahm Pfarrer Ulrich Patzelt die bei­den Ge­meinden.

Die Seelsorgeeinheiten (mehrere weiter­hin selbstständige Gemeinden werden von einem Pfarrer betreut) brachte 1997 auch in Giesen einige Änderungen. Nachdem Pfarrer Patzelt die Gemeinden verlassen hat, wurde die Seelsorgeeinheit auch in Giesen ein aktuelles Thema. Die Gemeinde bildet nun mit St. Marien zu Ahrbergen und mit St. Vitus zu Groß Giesen eine Seelsorgeeinheit und wird von Pfarrer Siegfried Peters, der auch gleichzeitig Seelsorger für die Gehörlose ist, betreut. In diese Zeit fällt auch die Sanierung der Friedhofskapelle, die im Herbst 2010 abgeschlossen ist.

Im Jahr 2009 treffen sich zum ersten mal Vertreter aus den 5 selbstständigen Gemeinden im St. Martin-Heim, die im November 2014 eine neue Gemeinde bilden sollen.

Die Pensionierung von Pfarrer Peters sorgt auch hier wieder für einen personellen Wechsel. Ab dem 01. September 2013 übernimmt Pfarrer Dr. Alois Jeczek, Seelsorger in der Seelsorgeeinheit Groß Förste-Hasede, die Seelsorge in Ahrbergen und Giesen.

Mit der Auflösung der Pfarrvikarie St. Martin zu Klein Giesen zum 31.10.2014 wurden die Kirchenbücher, die unsere Pfarrvikare und Pfarrer geführt haben, geschlossen.

Seit dem 01.11.2014 gehört der Kirchort St. Martin zu der Pfarrgemeinde St. Vitus und Pfarrer Dr. Alois Jeczek wurde von Bischof Norbert Trelle mit der Seelsorge beauftragt. 

Erste Kirchenvorstandssitzung am 21.November 1940

Letzte Andacht 1970 vor dem Umbau der Kirche St. Martin zu Klein Giesen