Die Geschichte von St. Vitus

Aus Jesen wird Giesen

Datum: 15.07.2013

Unter dem Namen “Jesen” wird Groß Giesen in einer Urkunde des Mauritiusstiftes im Jahre 1147 genannt. Im 12.-13. Jahrhundert waren für Groß Giesen Ortsbezeichnungen wie “Jesen”, “superiori jesen”, “Gesen”, “Gesim” und “echt Gysen” üblich. Das vermutlich dort als adlige Eigenkirche erbaute Gotteshaus wurde im Jahre 1235 durch Ritter Dietrich von Depenau dem Godehardikloster in Hildesheim übertragen. Das Patronatsrecht stand daher dem Benediktinerkloster zu, das letztlich bei der Ausübung seiner Rechte nur dem Förster Archidiakon (iudex ordinarius) verantwortlich war. Als sich im 15. Jahrhundert das Godehardikloster in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand, wandte es sich an Papst Martin V. (1417-1431) mit der erfolgreichen Bitte zur Übernahme der Pfarrei und des Gotteshauses in Groß Giesen. Seit dem päpstlichen Zuspruch 1424 über die “incorporatio quod temporalia et spiritualia” betreuten Patres des Klosters die dortige Pfarrstelle. Zuvor wird für das Jahr 1227 ein Pfarrer urkundlich bestätigt. Trotz des St. Vitus-Patroziniums läßt sich hier die Bauzeit des Gotteshauses nicht exakt bestimmen. Die Verehrung des Hl. Vitus im Bistum Hildesheim hatte bereits nach der Übergabe seiner Reliquien im Jahre 836 aus Denis an das Kloster Corvey begonnen. Obwohl St. Vitus bereits im 9. Jahrhundert zu den “Stammesheiligen der Sachsen” gehörte und eine Eigenkirchengründung im Bann Förste (Entstehung ca. 1000 n. Chr.) durch den sächsischen Adel als Konkurrenz zu der bischöflichen Archidiakonatskirche St. Pankratius nicht ausgeschlossen werden kann, läßt sich die frühmittelalterliche Entstehungszeit der Kirche lediglich vermuten. Der Pfarrbezirk von St. Vitus umschloß wahrscheinlich bis in das 16. Jahrhundert hinein die Ortschaften Klein und Groß Beelte. Zur Erinnerung an die Kirchen in den vermutlich während der Stiftsfehde oder bereits schon früher untergegangenen Ortschaften, wurden 1929 die Patrozinien von Groß Beelte - St. Nikolaus und von Klein Beelte - St. Bernward als Nebenpatrone von der St. Vitus-Kirche in Groß Giesen übernommen.

Im Gegensatz zur Besetzung der Pfarrstelle in Groß Giesen durch Patres des Godehardiklosters, wurde während der Regierungszeit des mit der Reformation sympathisierenden Hildesheimer Bischofs Friedrich von Holstein (1551-1556) vom Amt Steuerwald aus die Pfarrstelle mit einem luth. Prädikanten besetzt. Nachdem Burchard von Oberg (1557-1573) Bischof von Hildesheim wurde, versuchte er, vor allem in den nahe der Bistumsstadt gelegenen Pfarreien des Amtes Steuerwald den kath. Glauben wieder aufzubauen. Daß der ev. Geistliche bis 1571 in der Pfarrei bleiben durfte, lag weniger an seinem Bittschreiben, das er durch die herzogliche Regierung in Celle dem Fürstbischof zukommen gelassen hatte, sondern eher an der Mißachtung der bischöflichen Verordnung durch den Amtmann des Hauses Steuerwald. Ein kath. Pfarrer wird wieder für das Jahr 1573 bestätigt. Erneute Veränderungen in der Besetzung der Pfarrstelle traten während der schwedischen Besetzung des Stiftsgebietes ein. So versahen zwei ev. Geistliche die Pfarrstelle in den Jahren 1632 und 1639; der letztgenannte betreute St. Vitus vom Amt Steuerwald aus. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte neben dem Einfluß auf die konfessionelle Besetzung der Pfarrstellen des Bistums auch Auswirkungen auf die bauliche Substanz der Gotteshäuser. So wurde die Pfarrkirche St. Vitus beschädigt bzw. zerstört. Das heutige Kirchengebäude in Groß Giesen wurde daher von 1672-1675 neu errichtet. Über den Kirchenbau führte Pfarrer Heinrich Bothfeld ein umfangreiches Protokoll im zweiten Band seiner historischen Aufzeichnungen, die über das Pfarrleben in St. Vitus Ende des 17. Jahrhunderts berichten.

In der Landwirtschaft mit Getreide- und Zuckerrübenanbau sowie in der Holzwirtschaft (Giesener Wald) sahen noch Anfang des 20. Jahrhunderts die Einwohner von Groß Giesen eine Erwerbsmöglichkeit. Durch die Technisierung bei den landwirtschaftlichen Produktionsmethoden wurden hohe Ernteerträge erzielt und damit ein steigender Bedarf an bäuerlichem Hilfspersonal nötig. Mit diesem Strukturwandel und der damit verbundenen Zunahme in der Bevölkerung setzte Ende des 19. Jahrhunderts in Groß Giesen eine rege Bautätigkeit ein, wie z. B. der Neubau des Schulhauses 1863. Die Einwohnerzahl der kath. Gemeinde stieg von 1871 bis zum Jahre 1900 von 365 auf 471 an. Die sich um die Jahrhundertwende entwickelnde Kaliindustrie führte erneut zu einem erhöhten Bevölkerungswachstum. Im Jahre 1906 wurde Schacht “Siegfried” in Betrieb genommen, 1913 eine Chlorkaliumfabrik. Neben den Landwirten der Gemeinde ließen sich jetzt daraufhin vor allem Arbeiterfamilien nieder; allein 326 Arbeiter waren 1911 im Kalischacht “Siegfried” beschäftigt. Die Pfarrei St. Vitus betreute 1917 allein 530 Gemeindemitglieder, während nur 68 ev. Christen im Ort ansässig waren. Deshalb wurde 1929 die Erweiterung der Pfarrkirche St. Vitus beschlossen. In der Landwirtschaft mit Getreide- und Zuckerrübenanbau sowie in der Holzwirtschaft (Giesener Wald) sahen noch Anfang des 20. Jahrhunderts die Einwohner von Groß Giesen eine Erwerbsmöglichkeit. Durch die Technisierung bei den landwirtschaftlichen Produktionsmethoden wurden hohe Ernteerträge erzielt und damit ein steigender Bedarf an bäuerlichem Hilfspersonal nötig. Mit diesem Strukturwandel und der damit verbundenen Zunahme in der Bevölkerung setzte Ende des 19. Jahrhunderts in Groß Giesen eine rege Bautätigkeit ein, wie z. B. der Neubau des Schulhauses 1863. Die Einwohnerzahl der kath. Gemeinde stieg von 1871 bis zum Jahre 1900 von 365 auf 471 an. Die sich um die Jahrhundertwende entwickelnde Kaliindustrie führte erneut zu einem erhöhten Bevölkerungswachstum. Im Jahre 1906 wurde Schacht “Siegfried” in Betrieb genommen, 1913 eine Chlorkaliumfabrik. Neben den Landwirten der Gemeinde ließen sich jetzt daraufhin vor allem Arbeiterfamilien nieder; allein 326 Arbeiter waren 1911 im Kalischacht “Siegfried” beschäftigt. Die Pfarrei St. Vitus betreute 1917 allein 530 Gemeindemitglieder, während nur 68 ev. Christen im Ort ansässig waren. Deshalb wurde 1929 die Erweiterung der Pfarrkirche St. Vitus beschlossen.

Die Entwicklung der Pfarrgemeinde ist seit dem Mittelalter klar strukturiert. Bereits im 12. Jahrhundert gehörte St. Vitus nachweislich zum Archidiakonat Förste und besaß nach dem heutigen Verständnis die Rechte einer Pfarrei. Ausgehend vom Archidiakonat Förste verblieb St. Vitus 1760 im Zirkel und 1838 im Dekanat Förste. Der Seelsorgsbezirk wurde 1940 durch den Bereich der heutigen Pfarrvikarie St. Martin in Klein Giesen vergrößert. Darüber hinaus war der Pfarrer für den sich außerhalb des Ortes befindenden Schacht “Siegfried” mit seinen angeschlossenen Grubensiedlungen zuständig.

Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen nach 1945 veränderten sich die konfessionellen Verhältnisse in der Gemeinde. Während vor dem 2. Weltkrieg 557 Katholiken und 162 ev. Christen in Groß und Klein Giesen ansässig waren, stieg zwar nach 1945 die Anzahl der Katholiken auf 1045 Gemeindemitglieder an; bei der ev. Gemeinde ist jedoch der sechsfache Anstieg auf 950 Christen festzustellen. Obwohl 1947 die Kaliproduktion wieder aufgenommen werden konnte, arbeiteten die kath. Heimatvertriebenen zunächst im landwirtschaftlichen Bereich. Erst später nahmen sie die Arbeitsplätze im Giesener Schacht und der Hildesheimer Industrie wahr. Die positive wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde aufgrund ihrer zentralen Ortslage war vermutlich eine Voraussetzung für die Wahl Groß Giesens 1971 zur Samtgemeinde und 1974 zur Bildung einer Einheitsgemeinde, bestehend aus den Ortschaften Groß und Klein Giesen, Ahrbergen, Emmerke, Groß Förste und Hasede. Im Jahre 1987 erlitt die Gemeinde mit der Schließung des Kalischachtes einen schweren wirtschaftlichen Rückschlag. Innerhalb von 12 Monaten sank im Ort die Anzahl der kath. Christen im Jahre 1988 von 1040 auf 1009. Die zentrale Verkehrslage der Gemeinde und die mittelständischen Wirtschaftsunternehmen im Ortsteil Hasede konnten weitere Abwanderungen verhindern. Giesen ist innerhalb der politischen Gemeinde mit rund 2700 Einwohnern die größte Ortschaft.

Datum: 15.07.2013